Hamburg (ots) – Qualitätsjournalismus, wie Printmedien ihn pflegen, ist nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden
von Gruner + Jahr, Bernd Buchholz, im Internet derzeit noch nicht finanzierbar. Auf dem Internationalen Mediendialog Hamburg
vertraten führende Medienrepräsentanten am Montag unterschiedliche Auffassungen über die wirtschaftlichen und journalistischen
Perspektiven im Internet. Während Mathias Döpfner, Vorstandschef der Axel Springer AG, sich ausgesprochen zuversichtlich über
die Internetaktivitäten seines Hauses äußerte, sagte Buchholz, die Einbrüche im Printbereich seien zur Zeit noch nicht durch
das Internet auszugleichen. Außerdem wies er darauf hin, dass 80 Prozent im Internet Kommunikation sei und damit nichts
mit journalistischen Angeboten zu tun habe.
Der Springer-Verlag erwirtschaftete 2008 bereits 17 Prozent seines Umsatzes aus Online-Aktivitäten. Wenn die Investitionen
herausgerechnet würden, habe Springer in diesem Bereich bereits 60 Millionen Euro Gewinn erzielt, erklärte Döpfner.
Kontrovers wurde erneut über die Aktivitäten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internet diskutiert. Dieter Gorny,
Vorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie, sprach davon, dass sich durch das Internet der Dualismus von
öffentlich-rechtlichen und privatwirtschaftlichen Medien verwische. Döpfner meinte, es sei heute „lebensfremd“
den öffentlich-Rechtlichen den Einstieg ins Internet verbieten zu wollen. Um die strukturellen Wettbewerbsvorteile
jedoch zu vermeiden, dürfe es aber in deren Internet-Angebot keine Werbung und kein Sponsoring geben.
Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hatte sich zum Auftakt des eintägigen Kongresses gegen einen kleinlichen
Konkurrenzkamp der Medienstandorte um einzelne Unternehmen oder Aktivitäten gewandt. Er plädierte dafür, Hamburg und Berlin
als eine Region für die Medien zu begreifen. Das sei für beide Standorte nutzbringend.
Harold Bojunga
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