Internationaler Mediendialog Hamburg am 8. Juni 2009

Deutschland hat eine mustergültige Medienlandschaft =

  Hamburg (ots) – Deutschland hat im Vergleich zu vielen Ländern, vor allem zu den USA, immer noch eine „mustergültige Medienlandschaft, für die sich der Kampf sehr lohnt “ – ungeachtet der aktuellen Finanzkrise und der Herausforderung durch das Internet. Diese Ansicht vertrat der Chefredakteur der „Zeit“, Giovanni di Lorenzo, am Montag auf dem Internationalen Mediendialog Hamburg. Auf einer Podiumdiskussion im Hamburger Rathaus waren sich die Chefredakteure der „Zeit“ sowie des „Spiegel“ Matthias Müller von Blumencron, und der „WAZ“-Gruppe, Ulrich Reitz , allerdings auch einig, dass die Printmedien in der Vergangenheit zu reformunwillig gewesen sind.

  Vor Medienvertretern aus dem In- und Ausland vertrat di Lorenzo die Ansicht, dass über die Jahre viele Lokal- und Regionalzeitungen schlechter geworden seien. Er sprach von einem „Prozess der Selbstbeschädigung“, wenn dem Zeitungsleser vermittelt werde, dass nicht die Print- sondern die Online-Ausgabe das fortschrittlichere Medium sei.

  Der Moderator der Runde, Frank Thomsen (Chefredakteur stern.de), fragte den WAZ-Chefredakteur Reitz, was bei der Essener WAZ-Gruppe in der Vergangenheit „falsch gelaufen“ sei, wenn sich die Verlagsgruppe von jedem 3. Redakteur trenne und die Nachrichtagentur dpa abbestellt worden sei. Reitz verteidigte die einschneidenden Veränderungen in seinem Haus: mit der neugebildeten Mantelredaktion mit 82 Redakteuren für die vier Zeitungen der Gruppe (WAZ, NRZ, Westfälische Rundschau, Westfalenpost) seien die Blätter heute vielfältiger als zuvor. Während früher der Agenturanteil am journalistischen Produkt bei 50 Prozent gelegen habe, liege der Anteil der eigenen Autoren heute bei 80 Prozent.

  Für den Spiegel-Verlag ist „Spiegel-Online“ eine Erfolggeschichte. Chefredakteur von Blumencron sieht im Internet „die journalistischste Plattform“. Währennd ein Spiegelredakteur in den 90er Jahre mit seinem Bericht fünf Milionen Leser erreichte, schafft er es nun – zusammen mit der Online-Ausgabe - auf zehn Millionen.

Harold Bojunga
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