Internationaler Mediendialog Hamburg am 2. Juni 2008

Digitalisierung schafft Wachstum - Medienbranche sieht mit Optimismus in die Zukunft

Hamburg (ots) - Die Digitalisierung beschert den Medienunternehmen eine Fülle von Wachstumschancen. Darauf wies der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann, Hartmut Ostrowski, am Montag auf einem internationalen Medienkongress in Hamburg hin. Um diese Chancen zu nutzen, konzentriert sich der größte europäische Medienkonzern vor allem auf die eigene Wertschöpfungskette, also der Nutzung hochwertiger kreativer Inhalte bis hin zur konsequenten Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kunden: "Content is king (Inhalt ist König), aber der Kunde ist Kaiser", sagte Ostrowski vor in- und ausländischen Vertretern der Kommunikationsbranche im Hamburger Rathaus.

Zur Eröffnung der eintägigen Konferenz hatte auch Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust auf das enorme Wachstumspotential der Medienbranche hingewiesen. Davon profitiere auch Hamburg als größte deutsche Medienstadt mit rund 21.000 Unternehmen aus der Medien- und IT-Branche und knapp 110.000 Beschäftigten.

Beim Streitpunkt "Nutzung des Internets durch die öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten" setzte sich von Beust für einen fairen Interessenausgleich zwischen den öffentlich-rechtlichen Anstalten und den privaten Verlagshäusern ein. Die gebührenfinanzierten Öffentlich-Rechtlichen könnten für eine begrenzte Zeit eigene Programminhalte ins Internet stellen, es dürfe aber nicht dazu kommen, dass private Anbieter nicht mehr mithalten könnten. Auch Ostrowski warnte vor einer Situation, in der mit Hilfe der Gebühren eine unbegrenzte Expansion im Internet vorangetrieben wird, die nicht mit dem Grundauftrag des öffentlichen-rechtlichen Systems im Einklang stehe.

NDR-Intendant Lutz Marmor wies dagegen darauf hin, dass die Öffentlich-Rechtlichen keineswegs ein "major player" im Internet seien. Während die Nutzungsdauer der Verbraucher bei TV im Schnitt 210 Minuten täglich und beim Rundfunk 118 Minuten betrage, seien es im Internet gerade mal 56 Minuten. Bei den Jüngeren liege der Nutzungsanteil jedoch bereits bei jeweils einem Drittel. Das zeige, "das Internet ist auch unsere Zukunft", die Öffentlich-Rechtlichen brauchen einen Platz im Internet.

Die Herausforderung des Internets liegt für Medienhäuser wie auch für die Computer- und Telekom-Branche im rasanten Wandel, dessen Geschwindigkeit, Entwicklung und Richtung nicht vorhersehbar ist. Über die Zukunft des gedruckten Wortes herrschten unter den Diskutanten unterschiedliche Ansichten. Am weitesten ging Geoff Sutton, Generaldirektor von MSN (Microsoft), der vom Verschwinden von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern bis 2025 zugunsten elektronischer Lesemöglichkeiten überzeugt ist. Dagegen haben die Printmedien für das Vorstandsmitglied von Gruner+ Jahr, Fabrice Boé, und für den Chef der Holtzbrinck-Gruppe, Stefan von Holtzbrinck, auch weiterhin eine Zukunft. Wobei für den Verleger Holtzbrinck von entscheidener Bedeutung ist, in welche Richtung sich die Gesellschaft entwickelt: geht es mehr um Spiele und TV, oder bleibt Deutschland weiterhin eine Wissensgesellschaft?

 

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